Venezianische Wege - wie die kleine Olive ins Glas kommt
Venezia – die Stadt der Gondeln …ist sicherlich eine der ersten Eingebungen, die auftauchen, wenn man an diesen faszinierenden Ort in der Lagune denkt.
Die Gondel war ursprüngliche Taxi und Transportmittel in einer Stadt, die von Wasser umgeben ist, von kleinen Kanälen durchzogen und deren Hauptstraße „Canal Grande“ heißt.
Für Touristen bedeuten Gondeln und Wasserwege Romantik und Verzauberung. Für die Veneziani ist das Alltag und der Weg, auf dem alles in die Stadt gelangt: die Besucher, die Zeitung, der Prosecco und auch alles andere vom Zahnstocher bis zum Piano.
Transport auf Venezianisch
Heutzutage transportieren Gondeln nur noch Touristen und Verlobungsringe, die oft zum schwankenden Heiratsantrag auf wogenden Wellen mit Blick auf die Rialtobrücke gezückt werden.
All die anderen Waren und Güter kommen auf großen Transportbooten in die Stadt. Bei jedem Wetter und an so ziemlich jedem einzelnen Tag des Jahres. Bei Sonne sieht man die fleißigen Transporteure nach getaner Arbeit auf den leeren Planken der Schiffe ein Schläfchen halten. Im Winter sitzen sie dick eingemummelt in den Piumino an Bord. Und solch eine schön warm wattierte Jacke ist im winterlichen Venezia auch als Fußgänger eine richtig gute Idee.
Handarbeit...
Sobald das Boot anlegt, beginnt der nächste Part: ausladen und auf Karren packen. Alles per Hand. Diese oft hoch aufgetürmten Paketberge werden dann per Handkarren und zu Fuß durch die Stadt an den Bestimmungsort gebracht.
...und eine gute Portion Durchsetzungsvermögen
Die Wege führen durch enge Gassen, über Treppenstufen auf die Brücke hinauf und an der anderen Seite über Stufen wieder hinab. Es geht um knappe Hausecken herum und auch mit lauten Rufen „Attenzione!“ durch die oft vorhandenen Gruppen von Touristen, die nach einem mehrfach und eindringlicher werdenden „AAAttenziooooneee!!!“ schließlich begreifen, dass sie vor lauter Venedig-Staunen versehentlich einem hart arbeitenden Menschen den Weg versperrt haben und nun nicht wissen, wohin beiseite springen.
Viele haben ihre Handkarren inzwischen mit einer Fahrradklingel ausgestattet. Offenbar ein international besser zu erkennendes „Aus dem Weg, bittesehr!“.
Die letzte Meile führt oft aufwärts
An der finalen Station angekommen, gilt es nun, das Transportgut zuzustellen. Wohl dem Transporteur, der Pakete für die Geschäfte im Erdgeschoss auf dem Karren hat und Hochachtung dem, der mal wieder in die obersten Etagen klettern muss.
Auf diese Weise kommt alles hierher nach Venezia.
Und während ich mal wieder an einem gut gekühlten Spritz nippe, denke ich an den außergewöhnlichen Weg, den ein alltägliches Küchengerät in dieser Stadt nimmt, und stelle mir die große und abenteuerliche Anreise dieser kleinen grünen Olive vor.
„AAAttenziooooneee!!!“
Anja Giramondo
Salonnière & Gastgeberin