Belinda in Chioggia - jetzt fehlt nur noch die Altana
Von einem Kran für das Hunde-Sofa, dem Leben in einer Lagunenstadt und einem Glockenturm, der nun den Handy-Wecker ersetzt.
Wir durften einen Tag mit Belinda durch Chioggia schlendern, ihre schöne Wohnung auf der historischen Innenstadt-Insel besuchen und mit ihr ins Plaudern kommen. Hier ist das Interview mit einer besonderen Frau aus Österreich, die sich spontan in die kleine Lagunenstadt südlich von Venezia verliebt hat.
Julika:
In unserer Definition steht „Refugium“ für einen Ort, der inspiriert und zugleich Geborgenheit schenkt. Ein Rückzugsort vielleicht oder auch ein Platz, der Ausdruck der Persönlichkeit sein kann. – Was macht dein italienisches Refugium so besonders?
Belinda:
Es ist ein historisches Gebäude ca. 500 Jahre alt, man sieht und spürt seine Geschichte. Keine Wand ist gerade, die alten Steinwände und Holzbalken machen es besonders charmant. Kein Fenster hat dieselben Maße, es ist wirklich so etwas Besonderes!
Wenn man die Fenster öffnet, hört man das Leben einer pulsierenden Stadt.
Das Temperament der Italiener ist auch nicht zu überhören. Ich lausche oft und freue mich, wenn ich bruchstückweise eine paar Wörter verstehe. Aber wenn man etwas Ruhe braucht, schließt man die Fenster und hat somit einen perfekten Rückzugsort zur Erholung oder auch zum Arbeiten im Homeoffice.
Anja:
Und wo befindet sich den Refugium?
Belinda:
Unser Haus befindet sich auf einer Insel namens Chioggia (Kleinvenedig). Chioggia gehört zur Veneto Region unweit von Venedig in Norditalien.
Das besondere an Chioggia ist, das historische Zentrum ist wie Venedig nur in klein, es hat einen Stadtteil namens Sottomarina mit einem circa 6 Kilometer langen, feinen Sandstrand. Fußläufig von unserem Haus in nur 20 Minuten zu erreichen.
Der Strand war absolut wichtig für unsere Entscheidung, hier eine Immobilie zu kaufen. Wir besitzen 2 Windhunde: Tiffanie und Nora.
Chioggia und Sottomarina sind durch eine Brücke verbunden, daher sind wir Autofrei, wenn wir hier in Chioggia sind. Infrastruktur ist sehr wichtig, man wird nicht jünger daher auch die Entscheidung für Norditalien. Österreich wird unser Hauptwohnsitz bleiben und muss daher per Auto schnell erreichbar sein.
Anja:
Hast du dein Refugium gefunden oder hat es dich gefunden? – Wie war euer gemeinsamer Weg?
Belinda:
Unsere Casa hat uns gefunden, wir haben vorher erst 2 Immobilen besichtigt dann sind wir in das stark renovierungsbedürftige Haus gekommen und es war um uns geschehen. Trotz des starken Verfalls spürte ich sofort das ich eine Perle gefunden habe.
Dank unserer lieben Anwältin Julika waren gewisse Hindernisse nach einem Jahr beseitigt, Renovierung und Vertragsunterzeichnung abgeschlossen. Es war eine stressige, aber auch so spannende Zeit.
Die komplette Renovierung wurde mittels Whatsapp und IT-AT Übersetzter gemeistert da wir kein italienisch sprechen und unsere Baufirma kein Wort Deutsch oder Englisch.
Ich liebe Herausforderungen und so hat mein lieber Mann mir die Aufgabe überlassen, natürlich haben wir wichtige Entscheidungen gemeinsam getroffen, aber der Rest lag in meinen Händen.
Wir haben es nicht bereut, sind soooooo glücklich hier. Auf jeden Fall empfehle ich es jedem, wir würden es wieder machen.
Julika:
Hast du einen persönlichen Lieblingsplatz im Refugium?
Belinda:
Unser Wohn/Esszimmer und auch der Ausblick vom Dachgeschoss auf Sant Giacomo.
Mit etwas Glück bekommen wir eine Altana – Dachterrasse (Venedig Denkmalschutzamt) bewilligt… leider dauert der Prozess noch an… aber wir haben gelernt, in Italien muss man Geduld mitbringen.
Julika:
Welche Rolle spielen Stil und Ästhetik für dich?
Belinda:
Eine sehr große Rolle, ich liebe das Spiel zwischen antik und neu. Zeitlos elegant ist ganz mein Geschmack.
Julika:
Werte, Charakter, Eigenschaften, Anspruch – was für eine Frau steht hinter deinem Refugium?
Belinda:
Familie ist Nummer eins dazu zählen natürlich auch unsere beiden Windhund Damen Tiffanie e Nora.
Ich bin eine sehr wissensdurstige, sehr positive Frau, ich verstehe es ganz gut andere Menschen in meinen Bann zu ziehen, meine Begeisterung für gewisse Dinge kann schon sehr ansteckend sein.
An meine Umwelt stelle ich hohe Ansprüche, mit halben Sachen gebe ich mich nicht zufrieden, ich bin eine Perfektionistin.
Wenn ich jemanden ins Herz geschlossen habe, wird es diese Person auch sicher bemerken. Und geben bedeutet für mich mehr als nehmen.
Anja:
Welche Frauen sind Vorbild oder Inspiration für dich und warum?
Belinda:
Meine beste Freundin Martina: sie nimmt es wie es kommt, das würde ich auch gerne können. Oft nehme ich alles viel zu ernst und das stresst ohne eigentlichen Grund. – In der Ruhe liegt die Kraft… das muss ich erst noch lernen.
Julika:
Welche Vorbildwirkung möchtest du vermitteln?
Belinda:
Nicht immer nur denken „ohhhh das hätte ich auch gerne oder das würde ich auch sooo gerne machen“.
Es liegt in eurer Hand! Get it done, dont wait… nur so kann man das Beste aus dem Leben holen.
MUT und LOS!
Anja:
Hat dein Refugium einen Namen?
Belinda:
Aber sicher! Casa Rean
Vollende diese Sätze, bitte:
- Italien ist… Träume leben
- Wenn ich zwei Wünsche frei hätte… Gesundheit für meine Familie, Freunde und mich, keine Sorgen
- Mein Lieblings-Gericht… da gibt es viele, unmöglich nur eines zu nennen
- Mein Traum ist… in Erfüllung gegangen, ein Zuhause in Italien, was kann man sich mehr wünschen
- Ich bereue… den Traum vom Eigenheim in Italien nicht schon früher in Angriff genommen zu haben
- Ich bereue nicht… ein Leben in 2 Ländern. Es ist wie ying und yang, so unterschiedlich aber beide Ländern fühlen sich an wie: Hier bin ich zuhause, hier bin ich angekommen.
- An den Italienern mag ich… die Offenheit, die Gelassenheit, sie lieben Hunden, die Hilfsbereitschaft, auch ein bisschen die Schlingelseite – so charmant!
- Das Leben… ist soooo schön, manchmal kann ich es kaum glauben welches Glück ich habe
- Meer oder Berge? Meer
- Land oder Stadt? Beides
- Tee oder Kaffee? Kaffee
- Selber kochen oder Restaurant? Beides
Anja:
Dein persönliches Motto?
Belinda:
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen.
Anja:
Hast du noch eine kleine kuriose Anekdote für uns?
Belinda:
Wir haben alle Möbel nach Maß gekauft, damit sie durch die Türen und den engen Treppenaufgang passen. Nur das Hunde-Sofa passte wirklich nicht. Dafür haben wir einen Kran bestellt und es durch das Seitenfenster schließlich herein gebracht.
Julika:
Was möchtest du anderen Frauen sagen oder raten, die von einem Refugium in Italien träumen?
Belinda:
Träume müssen nicht Träume bleiben. Ihr müsst den Schritt tun und ihr werdet es nicht bereuen!
Dennoch immer gut beraten lassen, damit ihr nicht das blaue Wunder erlebt, sondern eure Träume Wirklichkeit werden. So wie es bei mir war.
Wartet nicht darauf, dass irgendjemand eure Träume verwirklicht … das wird nicht passieren. Startet besser gestern als morgen!
Julika Repplinger
Salonnière & Gastgeberin
Anja Giramondo
Salonnière & Gastgeberin