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Italienischer Salon

Transportboote auf dem Canal Grande in Venezia
22. September 2026

Venezianische Wege - wie die kleine Olive ins Glas kommt

Venezia – die Stadt der Gondeln …ist sicherlich eine der ersten Eingebungen, die auftauchen, wenn man an diesen faszinierenden Ort in der Lagune denkt.


Die Gondel war ursprüngliche Taxi und Transportmittel in einer Stadt, die von Wasser umgeben ist, von kleinen Kanälen durchzogen und deren Hauptstraße „Canal Grande“ heißt.

Für Touristen bedeuten Gondeln und Wasserwege Romantik und Verzauberung. Für die Veneziani ist das Alltag und der Weg, auf dem alles in die Stadt gelangt: die Besucher, die Zeitung, der Prosecco und auch alles andere vom Zahnstocher bis zum Piano.

Zusammentreffen der Zeiten. Auf dem Canal Grande ist das Nebeneinander ganz selbstverständlich.
Zusammentreffen der Zeiten. Auf dem Canal Grande ist das Nebeneinander ganz selbstverständlich.

Transport auf Venezianisch

Heutzutage transportieren Gondeln nur noch Touristen und Verlobungsringe, die oft zum schwankenden Heiratsantrag auf wogenden Wellen mit Blick auf die Rialtobrücke gezückt werden.

All die anderen Waren und Güter kommen auf großen Transportbooten in die Stadt. Bei jedem Wetter und an so ziemlich jedem einzelnen Tag des Jahres. Bei Sonne sieht man die fleißigen Transporteure nach getaner Arbeit auf den leeren Planken der Schiffe ein Schläfchen halten. Im Winter sitzen sie dick eingemummelt in den Piumino an Bord. Und solch eine schön warm wattierte Jacke ist im winterlichen Venezia auch als Fußgänger eine richtig gute Idee.

Großer Umschlagplatz Rialto-Brücke. Wer dieses Schauspiel erleben möchte, dem sei frühes Aufstehen empfohlen.
Großer Umschlagplatz Rialto-Brücke. Wer dieses Schauspiel erleben möchte, dem sei frühes Aufstehen empfohlen.
An frostigen Wintertagen kommen die Getränke schon vorgekühlt am Bacino di San Marco an.
An frostigen Wintertagen kommen die Getränke schon vorgekühlt am Bacino di San Marco an.

Handarbeit...

Sobald das Boot anlegt, beginnt der nächste Part: ausladen und auf Karren packen. Alles per Hand. Diese oft hoch aufgetürmten Paketberge werden dann per Handkarren und zu Fuß durch die Stadt an den Bestimmungsort gebracht.

...und eine gute Portion Durchsetzungsvermögen

Die Wege führen durch enge Gassen, über Treppenstufen auf die Brücke hinauf und an der anderen Seite über Stufen wieder hinab. Es geht um knappe Hausecken herum und auch mit lauten Rufen „Attenzione!“ durch die oft vorhandenen Gruppen von Touristen, die nach einem mehrfach und eindringlicher werdenden „AAAttenziooooneee!!!“ schließlich begreifen, dass sie vor lauter Venedig-Staunen versehentlich einem hart arbeitenden Menschen den Weg versperrt haben und nun nicht wissen, wohin beiseite springen.

Viele haben ihre Handkarren inzwischen mit einer Fahrradklingel ausgestattet. Offenbar ein international besser zu erkennendes „Aus dem Weg, bittesehr!“.

Die Arbeit als Transporteur ist im Winter eine Herausforderung bei kaltem Wetter...
Die Arbeit als Transporteur ist im Winter eine Herausforderung bei kaltem Wetter...
...und auch im Sommer bei hoher Luftfeuchtigkeit und vielen Sonnenstunden über der Lagunenstadt.
...und auch im Sommer bei hoher Luftfeuchtigkeit und vielen Sonnenstunden über der Lagunenstadt.

Die letzte Meile führt oft aufwärts

An der finalen Station angekommen, gilt es nun, das Transportgut zuzustellen. Wohl dem Transporteur, der Pakete für die Geschäfte im Erdgeschoss auf dem Karren hat und Hochachtung dem, der mal wieder in die obersten Etagen klettern muss.

Auf diese Weise kommt alles hierher nach Venezia.

Und während ich mal wieder an einem gut gekühlten Spritz nippe, denke ich an den außergewöhnlichen Weg, den ein alltägliches Küchengerät in dieser Stadt nimmt, und stelle mir die große und abenteuerliche Anreise dieser kleinen grünen Olive vor.

„AAAttenziooooneee!!!“


Anja - Gastgeberin im Italienischen Salon

Anja Giramondo

Salonnière & Gastgeberin